Der Prozess der Entstehung eines Dokumentarfilms ist schwer planbar und bringt oft große Unsicherheiten mit sich. Dabei beweisen Produzent*innen immer wieder großen Mut und zeigen bei Projektentwicklung und Filmfinanzierung besondere Kreativität und hohes Engagement.
Mit der Verleihung des VFF Dokumentarfilm-Produktionspreises beim DOK.fest München wird der leidenschaftliche Einsatz und die Rolle der Produzent*innen bei der Entwicklung aktueller Dokumentarfilm-Projekte gewürdigt. Der VFF Dokumentarfilm Produktionspreis ist mit 7.500 Euro dotiert.
2026 wird erstmals auch der VFF Nachwuchs-Dokumentarfilm-Produktionspreis verliehen, der die zentrale Rolle der Produktion bei der Entstehung aktueller Hochschul-Dokumentarfilmprojekte würdigt. Dieser Preis ist mit 3.000 Euro dotiert.

2026 wurde das Projekt „Innere Emigranten“ von Lena Karbe ausgezeichnet.
"Innere Emigranten" ist ein dokumentarisches Porträt einer russischen Gesellschaft im Ausnahmezustand. Regisseurin Lena Karbe begleitet drei Psycholog*innen einer Moskauer Krisenhotline, die seit Beginn des Ukrainekriegs Menschen in Angst, Isolation und moralischer Orientierungslosigkeit betreuen. Der Film erzählt von innerem Widerstand, persönlicher Verantwortung und dem Versuch, Menschlichkeit unter autoritären Bedingungen zu bewahren. Entstanden unter größter Geheimhaltung, verbindet „Innere Emigranten“ politische Beobachtung mit intimen Einblicken in das Leben jener, die geblieben sind – und sich innerlich längst entfremdet haben.

Der erste VFF Nachwuchs-Dokumentarfilm-Produktionspreis geht an die Produzenten des Films „Driving Europe“ Lennart Heidmann, Felix Länge und Arthur Althen (Regie Felix Länge).
“Driving Europe” begleitet georgische Lkw-Fahrer auf Europas Straßen und zeigt ihren Kampf gegen Ausbeutung und prekäre Arbeitsbedingungen. Im Zentrum steht ein mutiger Streik, bei dem die Fahrer gemeinsam für ausstehende Löhne und ihre Rechte kämpfen. Der Dokumentarfilm von Felix Länge sowie den Produzenten Lennart Heidtmann, Felix Länge und Artur Althen wirft einen eindringlichen Blick hinter die Logistik der europäischen Konsumgesellschaft.
Auszug aus der Jury-Begründung: „Ein gelungener Dokumentarfilm fühlt den Puls der Zeit, er zeigt gesellschaftliche Entwicklungen (und Fehlentwicklungen) auf und leuchtet die Räume hinter der Fassade der Tagesaktualität aus, indem er gesellschaftliche und politische Ereignisse aus der Anonymität der Nachrichtenströme herauslöst und ihnen ein Gesicht gibt.“

2025 wurde das Projekt „Das fast normale Leben“ der Produzentinnen Ulla Lehmann und Andrea Roggon von AMA FILM GmbH ausgezeichnet.
In einer Wohngruppe für Mädchen verarbeiten die Bewohnerinnen ihre Traumata. Ohne ihre Eltern suchen sie nach Akzeptanz und Geborgenheit im Leben.
Auszug aus der Jury-Begründung: Andrea Roggon und Ulla Lehmann haben sich auf diese Reise mit ungewissem Ausgang eingelassen, beträchtliche Eigenmittel von AMA FILM GmbH investiert und es Regisseur Stefan Sick ermöglicht, vier treffsicher ausgewählte Mädchen aus schwierigem familiärem Umfeld zwei Jahre lang in einer Jugendhilfe-Einrichtung zu begleiten. Im Alltag ihrer Wohngruppe, in Krisen- und Konfliktsituationen, in Hoffnung und Enttäuschung ist Sicks Kamera einfühlsam, dicht, aber immer respektvoll, lässt uns mitfühlen und mit hoffen, liest in den jungen Gesichtern und verdichtet „Das fast normale Leben“ der Mädchen zu einem emotional berührenden Stück dokumentarischen Kinos.
Alle Informationen rund um das DOK.fest München sowie die VFF Dokumentarfilm Produktionspreise und die prämierten Filme finden Sie hier



